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Donnerstag, 24. Oktober 2013

Broome

Jaaaaa, ich weiß ich weiß, es ist lange her, dass ich mal was von mir hören lassen hab. Aber ich bin einfach nicht dazu gekommen zu schreiben. In der Zwischenzeit ist schon wieder allerhand passiert. Wir haben viele tausend Kilometer hinter uns gelassen, waren in tiefen Kratern, weit ab der Zivilisation, haben unter und über Wasserfällen geplantscht, sind Krokodilen begegnet, hatten eine interessante Konversation mit der Polizei, sind die geilsten Offroadstrecken gefahren, waren am nördlichsten Punkt Australiens und haben Flüsse durchquert. Aber ok, alles der Reihe nach. Heute sind wir erst mal "nur" bei Broome. 



Geschehnisse vom 13.07. - 13.09.:

Ja, da waren wir also in Broome. Nachdem wir n bisschen Zeit auf dem Campingplatz vergammelt hatten, machten wir uns auf zu unserem letzten gemeinsamen Projekt: Neulackierung der Frontpartie des guten Cliff. 
Als Ort dieses wahrhaft glorreichen Vorhabens wählten wir keinen geringeren Platz, als den Parkplatz des Shoppingcenters in Broome. Mit direktem Blick auf den Flughafen.
Wie die Profis haben wir alles sorgfältig abgeklebt, danach kam erst einmal eine Grundierung gegen den Rost drauf. Nachdem diese trocken war, trugen wir die Farbe auf. Die Zeit dazwischen verbrachten wir mit rumsitzen und Flugzeugen beim Laden zugucken. Irgendwann stand Bernd dann mal mit ,ner Torte und einem Karton voll Brot vor mir. Das alles hatte er natürlich nicht gekauft, sondern aus einem Container hinter dem Shoppingcenter gefischt. Und bevor sich manchen der Magen zusammenzieht: die Torte war noch kühl und das Brot noch 3 Tage haltbar. 
Da wir mit einem kleinen Stück am Heck angefangen hatten, schafften wir vorne nur noch die Grundierung. Die Farbe wollten wir dann einfach am darauffolgenden Tag auftragen. 
Beim erneuten Abkleben war die Stimmung wieder bombig. Insbesondere, weil der Wind an diesem Tag eindeutig nicht auf unserer Seite stand...
Und als wir dann gerade im Workflow drin waren, passiert das was passieren musste. Die Farbe war alle.
Bernd also zum Autoladen. Mit der neuen Dose und voller Tatendrang kam er zurück, der anfängliche Optimismus verflog dann jedoch recht schnell, als die Dose anstatt zu Sprühen mehr tropfte. 
Alles kein Problem, man kann das Ding ja ohne Probleme reklamieren. Doch als Bernd wieder kam, mit zwei Dosen in der Hand war schon klar was los war. Der Laden hatte in der Zwischenzeit zu gemacht ;) 
mit der Hälfte der Abklebung sind wir dann zurück auf den Campingplatz. Muss lustig ausgesehen haben, wie ein kleiner Panzer mit einem Guckloch :D
Am nächsten morgen sind wir dann gleich zum Shop. Dose wurde anstandslos zurückgenommen, jedoch nicht gegen eine neue ausgetauscht. Denn das war die letzte in der Farbmischung auf Lager. Irgendwas wollte einfach nicht, dass wir unser Projekt beendeten. 
Aber nun gab es in Broome ja nicht nur einen Autohändler. Und man mag es kaum glauben, aber ein Laden hatte wirklich den gleichen Farbton auf Lager. Mit gleich zwei Dosen ging es dann zurück auf den Parkplatz. 
Und da standen wir gleich vor dem nächsten Problem. Der Bottleshop, in dem Bernd am Vortag Pappe zum Abkleben geholt hatte, war geschlossen. Ich glaube es ist überflüssig an dieser Stelle zu erwähnen, dass die Stimmung so ziemlich auf dem Niveau des Marianengrabens war.
Im Endeffekt kleben wir dann alles mit irgendwelchen Prospekten ab. Und nach ein paar Stündchen war die Front dann auch weiß. Als wir die erste Schicht aufgetragen hatten, waren wir zur Abkühlung noch mal ins Shoppingcenter gegangen. Dort hatte Bernd dann einem alten Kumpel, der auch in Broome sein sollte geschrieben. Als wir gerade wieder auf dem Weg zum Auto waren, lief uns Matthias über den Weg. Bernds Kumpel. Es stellte sich heraus, dass er die ganze Zeit auf einer Bank nur fünf Meter entfernt von uns saß.
Nachdem der Cliff vorne wieder weiß war, sind wir noch ein bisschen in die Library. Broome hat wahrscheinlich eine der wenigen Library‘s in Australien, die noch kein Wifi anbieten. So sortierte ich die Bilder vom Roadtrip und genoss die kühle Luft aus der Klimaanlage. 
Abends kamen Matthias und Lars, der Typ mit dem er die Küste hochgefahren war, zu uns auf den Campingplatz. Perfektes Timing, da Hannes und Caro, mit denen wir davor immer rumhingen, Broome verlassen hatten. 
Matthias und Lars richteten sich dann auch auf dem Campingplatz ein. Lars hatte nach ein paar Tagen schon einen Job bei Tyrepower ergattert. Ich war etwas faul muss ich gestehen und ließ mir vieeel Zeit mit dem Schreiben meines Lebenslaufs. 
Dann kam der Tag an dem Bernds Auto bei Gumtree inseriert werden sollte. Vormittags sind wir losgezogen, haben uns einen schönen Platz gesucht, alles aus dem Van geräumt und ein paar Fotos geschossen. 
Am Abend des Tages ging es noch zum Stockcar Race mit Lars, Matthias und Jay, einem Arbeitskollegen von Lars. Beim Stockcar Race trafen wir dann noch Jeff, einen weiteren Arbeitskollegen von Lars. Der Jay und der Jeff, dass waren auch so zwei Kanaillen :D
Aber weiter im Text. Als man mit den beiden ein bisschen ins Gespräch kam, bot Jeff an, mal nachzuhaken, ob Tyrepower nicht noch eine weitere Arbeitskraft gebrauchen könnte. Matthias stellte er den Besitzer eines Cáfes vor. Wir blieben bis zum Schluss und noch darüber hinaus. Es gab eine kleine Siegerehrung und ein bisschen free Food. Insgesamt muss man sagen, dass man sich so ein australisches Event vorstellt. Die Leute kommen mit ihren 4WD‘s (Geländewagen), teilweise mit dem Sofa gleich auf der Ladefläche und gucken dann vom Auto aus das Race an. 
Für Jeff war der Abend übrigens ein voller Erfolg. Er gewann eine Flasche Jack Daniel‘s :D

Auf Bernds Anzeige meldeten sich am nächsten Tag gleich zwei Leute. Einer fragte ob er rüber an die Ostküste kommen könnte. Der andere war ein Italiener, den wir schon ein paar mal auf dem Campingplatz gesehen hatten. Der machte eine Probefahrt und schien sich wirklich für das Auto zu interessieren. Nach zwei Tagen Bedenkzeit entschließt sich Bernd dann schlussendlich das Auto an den Italiener zu verkaufen. 
Das hieß, wir mussten umziehen. Ein bequemer Van mehr. Außerdem hatte es den einen Tag mal etwas Stress mit dem Platzwart gegeben. Ohne ins Detail zu gehen kann ich nur sagen, es war eine amüsante Diskussion :D 
Matze holte uns mit dem Auto von Lars ab und dann erkundeten wir die Hostels in Broome. Lars und Matze wollten ins Last Resort gehen. Mir gefiel es dort nicht ganz so und ich habe immer gerne meinen Locker. So buchte ich erst mal für eine Woche im Kimberley Klub. Allerdings musste noch ein Tag überbrückt werden, da das Zimmer nicht gleich verfügbar war. 
Bernd konnte auch noch nicht gleich ins Last Resort einziehen, da dort auch nichts mehr frei war. So mussten wir für einen Nacht in das Roebuck Bay Hostel. Nicht gerade das Hilton unter den Hostels, aber für eine Nacht zu verkraften. Auch wenn der Preis geradezu Wucher war. Und man konnte nicht mal mit Karte zahlen. 
Und man mag es kaum glauben, aber an diesem Tag rappelte ich mich auf und schrieb meinen CV. 
Abends kochten wir dann im Roebuck Bay Hostel, in dem es nicht mal Teller oder Besteck gab. Am nächsten Tag wechselte ich dann ins KK. Bernd konnte für den nächsten Tag dann immer noch nichts im Last Resort bekommen und musste noch eine Nacht im Roebuck bleiben. 
Ein großes Event in Broome ist immer „Staircase to the Moon“. Der Mond geht in Broome an bestimmten Tagen im Monat extrem groß auf. Außerdem sieht die Spiegelung auf dem Wasser so aus, als ob sich eine Treppe zum Mond bildet. Daher der Name. 
Wären die zwei Schnarchnasen, Bernd und Lars, mal frühzeitig in die Pötte gekommen hätten wir dieses Spektakel zusammen angucken können, am Ende standen wir aber an verschiedenen Orten, da ich direkt von der Library aus dort hingegangen war. 
Ab dem Zeitpunkt mit dem Einzug in die Hostels, fingen wir an, immer zusammen zu kochen. Das war nicht immer einfach mit den sechs Kochfeldern im Last Resort, aber es ging irgendwie. 
Unsere Crew wurde dann noch durch Thomas, Thorsten und dessen Freundin erweitert. Dadurch wurden unsere Nächtlichen Kartenspiele dann auch noch mal etwas spannender ;)
Am zweiten oder dritten Tag im KK, bin ich dann mal los in die Library um meine finalen CV‘s auszudrucken. Als ich mal wieder einen Blick auf Gumtree hatte, fiel mir die Anzeige für einen Gärtner auf. Zack, sofort angeschrieben. 10 Minuten später hat mich der Manager des Hotels angerufen und gefragt, wann ich denn zum Vorstellungsgespräch kommen könnte. Ich sagte natürlich noch für den gleichen Tag zu und machte mich sofort los. 
Meine Garderobe war jetzt nicht gaaanz so geeignet, aber ich hatte das Gefühl, dass die Geschwindigkeit mehr zählte ;)
So fand ich mich 15 Minuten später in Singlet, kurzer Hose und Flip Flops in dem Büro des Mangers wieder. Er war ein echt cooler Typ. Erst das übliche was hast du bis jetzt so gemacht und was kannst du Zeug, danach hat er mir den Komplex gezeigt. Nebenbei haben wir über Fußball und die nächste Weltmeisterschaft philosophiert (er ist gebürtiger Italiener :D).
Am Ende verbleiben wir so, dass ich am nächsten Tag anrufen soll. Denn er hatte noch zwei andere Bewerber. 
Als ich am nächsten Tag anrufe, teilt er mir mit, dass ein Bewerber seinen Termin verschoben hatte. Ich sollte es am darauffolgenden Tag noch mal versuchen. 
Am nächsten Tag mache ich mich natürlich schon auf das schlimmste gefasst. Ich klappere Vormittags die Jobagenturen ab und gebe überall meinen CV ab. Als ich gerade auf dem Weg zum Matso‘s Restaurant war, hatte sich die Parkbank im Schatten eines Baumes so schön angeboten. Ich ließ mich dort nieder und wählte die Nummer vom Hotel. Ich wurde durchgestellt. Luc begrüßte mich und fragte kurz nach ob ich der bin, der ich zu sein schien. Dann kam er schon auf den Punkt. Ich hatte den Job. Er fragte, wann ich anfangen könne. Ich entgegnete nur: Sofort! Jetzt! - Das war ihm dann etwas zu schnell und so hatte ich noch einen Tag Schonfrist bis ich Sonntag um 6 Uhr auf der Matte stehen musste. 

Pünktlich am Sonntag wartete ich vor der Tür. Um 20 nach 6 machte mir Luc dann die Tür auf und stellte mich Darren, dem Maintenance Manager vor. Mit ihm sollte ich noch so meinen Spaß haben...
Da am Vortag eine Art Minifestival auf dem Veranstaltungsgelände stattgefunden hatte, musste erst mal aufgeräumt werden. Fegen, Gläser und Flaschen einsammeln, Stühle und Tische von A nach B tragen und sowas halt. Störte mich alles nicht im geringsten. Ich war zwar als Gärtner eingestellt worden, aber für den Stundenlohn war mir fast egal was ich zu tun hatte. 
Carl lernte ich auch am ersten Tag kennen. Noch vom Restalkohol beflügelt, den man noch deutlich riechen konnte, wollte er mir erst mal zeigen wie man den Mopp richtig schwingt. Und flatsch, lag er auf‘m Boden. Jaja, die Aussies und der Alkohol ;)
Eggy war der schweigsame Typ. Hatte als normaler Arbeiter nahezu genau soviel zu sagen wie Darren. Später sollte ich herausfinden, dass Eggy schon ne ganze Weile dort arbeitete und quasi der alte Hase im Team war. 
Neben Eggy, Darren und Carl gab es noch die anderen Backpacker. Zwei Koreaner die beide „Hahn“ hießen. Dann war da Keijo aus Estland, welcher zu nem guten Kumpel wurde. Ein Italiener den ich nur flüchtig kennenlernte, da er ein paar Tage nach meinem Arbeitsbeginn in die Küche wechselte. Außerdem Thomas ein Franzose und nach ein paar Wochen Matheo, ein neuer Italiener. Alles coole Typen. Haben uns immer gut verstanden. Bis auf Yishen, einen Chinesen, der sich immer wie der tollste Hecht aufführte. 
Andrew, ein Gärtner mit Qualifikation, wurde nach einer knappen Woche auch noch eingestellt. Dadurch drifteten meine Tätigkeiten von Gartenarbeit mehr in Richtung alles mögliche ab. Aber wie gesagt es störte mich nicht. Ich hatte einen Job der gut bezahlt war. 
Was machte ich also den ganzen Tag? Morgens mussten wir den Outdoorclub, die Bar und das Wettbüro aufräumen. Danach ging es manchmal in die „Skylla“ einem weiteren Club der zur Kette gehörte. Auch dort war dann aufräumen angesagt. Um 10 musste immer das Eis in den Bar‘s aufgefüllt werden. Außerdem die Bierfässer und Softdrinkmaschinen überprüft werden. Dann war mal hier mal da eine Reparatur. Die Außenbereiche wollten gefegt und die Gärten von Palmenblättern befreit werden. Ab und zu kamen Bierlieferungen und so weiter. Was eben anfiel. Und schwupp die wupp, da war es schon zwei Uhr. Das war das einzige Manko. Meist konnten wir nur bis zwei arbeiten. Danach gab es fast nichts mehr zu tun. Selten mussten wir mal bis nach fünf ran. 
Keijo und ich wurden dann zwei mal Nachts eingeteilt. Beide Male waren große Events. Pferderennen und ein Liveauftritt einer Sängerin, wenn ich mich recht erinnere. Dann mussten wir beim umräumen helfen, oder halfen dem Barteam leere Gläser und Flaschen einzusammeln. Und am Ende unserer Schicht bekamen wir dann ein Bierchen spendiert. 

Als meine Wochenstunden nach 3 Wochen auf 30 insgesamt fielen, hakte ich mal bei Luc nach, was da los sei. Er kündigte an, dass sich das ändern werde, da bald Umbauaktionen anstehen würden. Ich weiß nicht was dann der Auslöser war, aber meine Wochenstunden wurden von Darren extrem gekürzt. Das hatte er wohl auch schon vor mir gemacht. Auch Keijo hatte diese Erfahrung schon machen müssen. Anstatt mal mit einem zu reden machte er sowas. Aber das konnte ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen und so bat ich Luc doch mal mit ihm zu reden. 
Was folgte war eine Konversation zwischen Luc, mir und Darren. Man kann sagen er ging bodenlos unter. Er begründete keine seiner Taten konkret und hatte nicht mal den Arsch in der Hose mir in die Augen zu gucken wenn ich mit ihm redete. - 2 Wochen bevor ich Broome verließ kündigte er. Warum ist bis heute nicht geklärt :)

Aber genug von der Arbeitsfront. Was war sonst so los in Broome?
Generell ist Broome ja eher eine beschauliche Stadt. Ab sechs ist auf den Straßen quasi nichts mehr los. Außer Donnerstag. Da strömen alle Backpacker und viellicht auch ein paar Australier ins Oasis zum Wet T-Shirt Contest. 
Nach der Arbeit war ich ein paar mal mit Hahn surfen. Und generell hat man viel Zeit am Cable Beach verbracht (dieser wird öfters mal unter den besten Stränden Australiens aufgeführt).
Matze bekam einen Job bei einem Restaurant am Cable Beach. Da ich immer als erstes fertig mit arbeiten war bin ich dann manchmal mit Matze zum Beach. Dann wenn Lars fertig war, hab ich ihn abgeholt und wir sind entweder zurück zum Hostel oder wieder an den Strand. Generell war der Strand Aufenthaltspunkt Nummer eins. Man traf immer die gleichen Leute. Jeder kennt jeden. 
Und wenn man mal keine Lust auf Strand hatte, gab es immer noch den Hostelpool.
Abends war dann immer gemeinsam Kochen angesagt. Bzw. Lars und ich kochten und Matze freute sich Nachts darüber das wir für ihn mitgekocht hatten ;) - denn er arbeitete meist auch die Abendschichten. Nach dem Essen zockten wir noch Karten oder tauschten die neusten Storys aus :D. Dann pilgerte ich zurück zum KK, laberte noch ein bisschen mit Marvin, der unter mir schlief, und dann war der Tag auch schon wieder rum. 
An den Wochenenden oder wenn Matze mal frei hatte, machten wir uns immer die besten Frühstücke, die man sich vorstellen kann. Wir hatten echt alles. Ließen es uns richtig gut gehen ;)
Andere Aktivitäten die in Broome stattfanden waren Pferderennen, Nachmittage auf einem Partyboot, ein großes Hosteldinner, eine Westernparty von Lars‘ Chef oder das vernichten eines Kartons Bier am Strand. 

Am 29.07. ist Bernd leider leider nach Sydney aufgebrochen. Kurz nach ihm Thomas und Thorsten. Der Deutsche Stammtisch schwand dahin. 
Doch wir sollten schnell neuen Zuwachs bekommen. Eines Abends sprang Lars ganz erstaunt auf, als er Sören und Judith im Hostel entdeckte, die er Monate zuvor in Adelaide kennengelernt hatte. Und diese Konstellation sollte bis zum Ende bestehen. Sören, Judith, Ariane, Matze, Lars und ich. - Team Broome. 

Doch nach knapp zwei Monaten sollte sich die Gruppe langsam auflösen. Matze musste zu einem festen Termin in Cairns sein und Lars und ich wollten einfach weitertraveln. Genug gearbeitet, Urlaub war wieder mal angesagt! 
Lars gab zu seinem Abschied bei Tyrepower ein BBQ und wir saßen noch bis spät Abends mit Jay und Jeff im Tyrepower Shed. 

Doch für die Auflösung von Team Broome hatten wir uns etwas ganz spezielles einfallen lassen. Und es sollte sehr sehr sehr gut werden...


Broome Innenstadt



Betrunkener Aboriginie 










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Mittwoch, 22. Mai 2013

Geld wächst nicht auf Bäumen, aber auf Sträuchern! - Teil 3




Geschehnisse vom 05.03.2013 bis zum 22.05.2013:

Das Picken dauert für mich dann noch ca. 1 weiteren Monat. Marcel, Marcus und ein paar andere wurden in der Zwischenzeit den Wires zugeteilt. Es gibt auf der Farm ja nicht nur Bodentomaten, sondern auch Strauchtomaten, die zwischen gespannten Drähten wachsen. Und diese Felder werden über den Winter abgebaut. Als erstes werden die Wires auf Spulen aufgewickelt. Danach werden die leeren Pfosten aus der Erde gezogen und in Bündel verpackt. Dann werden mit einem Traktor, der hinten einen „riesen Rasenmäher“ dran hat, die restlichen Pflanzen zerhäckselt. Und ganz zum Schluss werden dann die Plastikfolien entfernt, die in Bahnen auf dem Feld gespannt sind. Warum auch immer. Wohlmöglich für den Schutz der Tomatenpflanzen. 
Nun ja, nach einem weiteren Monat Picken, bin ich dann auch zu den Wires. 
Ich weiß nicht genau welcher Job jetzt besser war oder ist. Aber beim Wiring kriecht man schon mal nicht auf der Erde rum. Ein großer Vorteil gegenüber dem Picken. 
Doch wie läuft ein Tag im Wiring ab? In etwa so:
Je nachdem ob das Feld schon „geclippt“ ist (die Wires sind an den Pfosten mit kleinen Drähten festgemacht, die erst alle gelöst werden müssen), oder nicht, geht es erst mal ans Clippen. Für einmal das Feld runter braucht man ca. eine Stunde. Wenn man zwei Reihen auf einmal clippst jedenfalls. Wenn man nur eine macht logischerweise die Hälfte der Zeit. 
Wenn das dann erledig ist, geht es ans aufwickeln. Leider sind die Pflanzen meist so dicht, dass man die Wires erst einmal rausrupfen muss. So dauert es dann am Ende meist über eine Stunde bis eine Spule voll ist. Neben dem steckenbleiben der Wires, kommt es des öfteren auch zu „Snaps“, sprich ein Wire reißt. Im Idealfall, reißt das Wire direkt an der Spule. Wenn es nicht so gut läuft irgendwo im Feld. Dann kann man erst mal schön 150m absuchen. Ah, das hatte ich vergessen. Die Felder sind meist ca. 300m lang. Da die Gefahr von Snaps auf 300m aber noch größer ist, als auf 150m schneiden wir die Wires in der Mitte durch und ziehen die Enden dann jeweils von den beiden Enden des Feldes raus. Das spart uns eine Menge Zeit und Nerven. 
Ist eine Spule dann voll, wird diese von der Maschine gezogen. Dann werden die geschätzten 150 Kg auf eine Palette gehievt. Und so geht das dann den ganzen Tag. Später haben wir dann auch noch zwei Macheten bekommen, um effektiver gegen die Pflanzen vorgehen zu können ;). Aber selbst mit diesen hat es immer noch über eine Stunde gedauert bis eine Spule voll war. 
In Hochzeiten haben wir so mit 6 Leuten an zwei Maschinen gearbeitet. Eigentlich viel zu viel, da wir nach Spule bezahlt werden. So mussten wir das Geld zu sechst teilen. 
Wenn unsere Paletten dann voll waren, ging es ans Entladen. Eines der Highlights im Wiring. Entladen als Highlight? Oh ja, denn man musste die Paletten mit einem Gabelstapler vom Anhänger heben und dann stapeln. Und das war immer ein Heidenspaß. Und das machte ich dann bis gestern. Dem 21. Mai. Denn gestern war mein letzter Arbeitstag. Mein Visum hab ich in der Tasche. Es gibt also nichts mehr was mich hier hält. 

Und was war in dieser Zeit auf dem Campingplatz los? 
Eigentlich wie immer. Neue Leute kommen und gehen. Die Situation in der „Küche“ hatte sich etwas verbessert, drohte aber wieder zu kippen. 
Unter anderem kamen auch Eileene, Paul, Marco, Lukas, Michael und noch ein anderer Paul zu uns auf den Platz. Mit den hatten wir stets sehr viel Spaß. Jedoch drohte das Wetter uns einen Strich durch die Rechnung zu machen. Es wurde immer kälter und kälter. Und auch nach dem Gewitter, wollten wir nur noch in den Pub mit einem festen Dach über dem Kopf. Und so kam es dann auch. Wir zogen um. Ging alles ganz schnell. Einen Abend bekamen wir eine SMS, dass wir am nächsten Tag einziehen können. Also am nächsten Tag kurz Eileenes Auto ausgeliehen und unser Zeug in den Pub verfrachtet. Leider mussten wir die anderen Leute erst mal zurück lassen. Aber wenigstens war es ab dem 5. März dann wieder schön warm in den Nächten.  Und da der Campingplatz sowieso nur 100m entfernt war, war das alles kein so großes Problem. Nach der Arbeit hing ich trotzdem noch dort rum. Denn da waren ja fast alle, mit denen ich die letzten Wochen überstanden hatte.
Mit Paul, Marco und Lukas angelte ich dann immer mal am Fluss, der direkt am Campingplatz vorbeifloss. Und siehe da ich kann es noch ;). An einem Tag habe ich glatt 5 Fische rausgezogen. Und dann aber auch wieder reingesetzt, in ihr wohliges Nass ;). 
Erwähnenswerte Ereignisse sind sonst nur die Faustgroße Motte, die ich eines Abends auf dem Weg nach Hause gesehen habe. Die auf 1,50$ reduzierte Torte, die ich beim Woolworth entdeckt habe. Und auf jeden Fall der Fakt das Annika, die ich auf der Farm kennengelernt habe, auf dem Georg-Herwegh-Gymnasium war. In Hermsdorf. Nur ein paar Kilometer von Glienicke entfernt. Die Welt ist halt klein ;). 

Tja, dass war sie, die Zeit auf der Tomatenfarm. Wie geht es jetzt weiter?
Morgen werde ich (leider etwas verschnupft) mit dem ersten Zug um 7:45 Uhr nach Melbourne nehmen. Nach drei Stunden Fahrt komme ich dort dann an und treffe mich mit Wolfgang, den ich aus Sydney kenne. Er hat sich einen Campervan gekauft. Und mit diesem starten wir dann gegen Mittag von Melbourne. Mit dem Ziel: Perth. 3418 Km trennen Melbourne und Perth. Auf dem direktesten Wege versteht sich. Mal gucken wo es uns hin verschlägt. Nur eins ist Sicher. Wolfgang muss bis zum 31. Mai in Perth sein. Denn am 1. Juni geht sein Flug nach Bali. Mal gucken ob er alleine fliegt oder mich noch überzeugen kann, man weiß ja nie...

Bilder:

Der Fluss am Campingplatz







So müsste ds immer sein...
Die Maschinen. Davor das Zeug was beim rausziehen mitgekommen ist...

Immer mit dabei: Handschuhe und Zange

Damit sind die Wires an den Pfosten festgemacht

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Samstag, 18. Mai 2013

Geld wächst nicht auf Bäumen, aber auf Sträuchern! - Teil 2



Geschehnisse vom  20.02.2013 bis ca. 04.03.2013:


Man merkt also schon, dass das Leben in Rochester nicht außergewöhnlich spannend war. Man könnte auch sagen, wenn man von der Arbeit kam war es ziemlich langweilig (was nicht heißen soll, dass das monotone Tomatenpflücken in irgend einer Weise interessant ist). Aber man musste sich halt irgendwie damit arrangieren.
Nach ca. zwei Wochen auf der Farm kommt eines Morgens mal Sam zu mir. Er bietet mir einen anderen Job an, da ich mich wohl ganz gut beim Pflücken angestellt habe ;). Der neue Job wäre in der Verpackung. 15$ die Stunde. Ich müsse nur die Kisten zu machen und dann auf Paletten stapeln. - Easy. Aber der ganze Spaß ging natürlich noch nicht gleich los. Ich sollte mich noch zwei, drei Tage gedulden, dann käme er wieder.
Einen Tag später fuhr er dann erst einmal nach Queensland zu seiner Familie. Und kam so schnell dann auch nicht wieder. Genau genommen dauerte es zwei Wochen. Und wie es ja kommen musste, hatte er in diesen zwei Wochen den Vertrag für das Packingshed (Blechhalle wo Verpackt wird) verloren. Es arbeiteten jetzt nur noch Asiaten von einem anderen Contractor dort (Contractor = Person die die Arbeiter auf der Farm beschäftigt. Niemand ist also direkt bei der Farm angestellt. Hat vermutlich was mit illegalen Arbeitern und Steuern zu tun ;)).
Da war die Stimmung natürlich schon etwas gedämpft bei mir. Aber nach einer Woche war es ja eigentlich fast klar, dass das wohl nichts mehr wird. 
In diesen zwei Wochen hatte ich dann jedoch trotzdem einen Einsatz in einem anderen Packingshed. Nur das in diesem keine Gourmettomaten verpackt wurden, sondern Saucentomaten. Und die Bezahlung war auch anders geregelt. Anstatt stündlich, bekam man für jede gefüllte 10 Kg Box, 45 Cent. Diese 45 Cent mussten dann noch mal durch die Anzahl der Arbeiter geteilt werden und das war dann der Lohn. Soweit ich mich recht erinnere waren wir an diesem Tag vier Leute. Am Ende hatten wir 505 Boxen gefüllt. Der Rest ist Mathe. Und vor allem sehr deprimierend... 
Zudem die Maschine immer wieder den Geist aufgab. Das reparieren dauerte dann auch erst mal geschlagene 1 1/2 Stunden. Und so kamen wir dann am Ende auch auf eine schöne Arbeitszeit von 14 Stunden. 
14 Stunden in denen ich verdammte 505, 10 Kg Boxen auf Paletten gestapelt habe. Jeweils sieben Kisten hoch. Die Paletten waren dann so ca. 2,10m hoch. Für alles andere hätte ich ne Leiter gebraucht. 
Für 15$ die Stunde ist das sicherlich noch ertragbar. Aber per Box bezahlt der letzte Scheiß. 
Komischerweise meldete sich mein Rücken nicht durch Schmerzen. Weder an diesem Tag noch am nächsten Morgen. 
Wenn man so will, war das vielleicht eine der abwechslungsreichsten Arbeitswochen. Denn zwei Tage später kommt Eggy, der Traktorfahrer, zu mir. Er fragt mich ob ich Schaltwagen fahren kann und evtl. den Traktor fahren will, da er an diesem Tag anfängt beim Wiring zu arbeiten (Wiring wird in Teil 3 ausführlich erklärt).
Und so tuckere ich dann mit einem kleinen, alten, blauen Traktor mit Anhänger über das Tomatenfeld und sammle die vollen Buckets ein. Bei dieser Arbeit wird man auch mehr mit Spaß bezahlt, als mit Geld. Denn pro gefülltem großen Bin gibt es nur 8$. An diesem Tag waren wir zum Glück nur zu zweit auf dem Traktor. So hat dann jeder 4$ pro Bin bekommen. Fünf haben wir an diese Tag voll gekriegt...
Mit dem Picken ließ sich da noch am meisten Geld machen. Und auch da gab es teilweise immer mal wieder etwas neues. So lief einem mal eine kleine Feldmaus über den Weg, eine besonders hässliche Art von Grashüpfern huschte an einem vorbei oder Falken kreisten über einem. Man lernt das einfache zu genießen ;). 
Oder aber, es krabbelt eine Spinne vor einem entlang. Aber nicht irgend eine Spinne. Das wäre ja schon wieder fast langweilig. Nein, wenn mal eine Spinne vor einem krabbelte, so war es eine Redback. Oder auf deutsch Rotrückenspinne. Eine der gefährlichsten Spinnen in ganz Australien. Wir hatten eine Gruppe von  vier Franzosen, die generell etwas komisch waren, schon für verrückt erklärt, bis wir selber eine dieser kleinen Spinnen sahen. Die Redback erinnert sehr an eine schwarze Witwe. Nur mit einem roten Streifen auf dem Rücken. Sieht eigentlich ganz harmlos aus. Aber die kleinen sind ja meist die gefährlichsten ;). Die Sichtungen von Redback‘s nahm dann in einem Feldabschnitt rapide zu. Aber trotzdem wurde natürlich munter weitergepickt. Man musste halt nur ein bisschen besser aufpassen...
Neben Redback‘s krabbelten nur noch Wolfsspinnen zwischen den Büschen rum, die zwar groß und gefährlich aussehen, aber nicht giftig sind. Und wenigstens wussten wir, nachdem wir ein paar von den Spinnen gesehen hatten, wer für die abgenagten Grashüpfer zwischen den Pflanzen verantwortlich war :).

Auf dem Campingplatz herrschte indessen weiterhin ein munteres Kommen und Gehen. Das alleine wäre ja kein großes Problem. Aber das ganze wird zum Problem, wenn die Leute nicht bezahlen, bevor sie gehen. Und genau so kam es. Das schlug wiederum auf die Stimmung des Campingplatzchef‘s. Verständlich. Er war schon kurz davor unsere „Küche“ dicht zu machen und uns die Kühlschränke wegzunehmen. Denn neben dem Nicht Bezahlen war da noch das Problem, dass niemand seinen Müll wegräumte. So wurde die „Küche“ immer mehr zur Mülldeponie. 
Aber es erbarmte sich dann irgendwann eine Gruppe von Leuten und räumte auf. So durften wir wenigstens unsere „Küche“ behalten. 
Marcel‘s Handy tauchte dann auch wieder auf. Als ein älterer Mann in eine andere Cabin ziehen wollte, fand Greg beim Saubermachen das Ladekabel und den Adapter. Damit war der Dieb natürlich eindeutig überführt und wurde auch des Platzes verwiesen. Zum Abschied gab es natürlich noch mal ordentlich Gezeter. 
Eines Abends, kam dann das große Gewitter. Es hatte sich schon den ganzen Tag angekündigt. Die Wolken waren tief schwarz und es herrschte ein eisiger Wind. Um halb zehn ging es dann los. Zusammengerollt lag ich im Zelt und versuchte zu schlafen. Dann kam der erste Donner. Noch relativ weit weg. Aber das Gewitter kam immer näher und der Himmel wurde regelmäßig von hellen Blitzen erleuchtet. Und es kam näher und näher. Dann war es über uns. Ein Blitz schlug vielleicht 150 Meter vom Zelt entfernt ein. Dann war alles dunkel. Für einen Moment war es komplett still. Bis die Luft von einem ohrenbetäubenden, bösen, dunklen Donnern erfüllt wurde. Dann gingen die Lampen wieder an. Die Blitze schlugen nun etwas weiter entfernt ein. Aber der Donner war immer noch der stärkste den ich bis jetzt gehört habe. Nach 2 Stunden war der Spuk dann vorbei. So konnte ich dann auch den Punkt „Befinde dich im Zentrum eines Gewitters und überlebe“, abhaken. Und mich endlich meinem wohl verdienten Schlaf hingeben...

Bildertime:

Bucket

Tomatenfeld




Hand nach dem Picken
Packingmaschine

Packingshed



"Straße" zur Farm

Rochester Center
Unsere "Küche"

Unsere "Spüle"


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